This text is unfortunately available only in German. Wie jedes menschliche Handeln bedarf auch das künstlerische Schaffen eines Druckes; ich meine damit des bewussten oder unbewussten Wahrnehmens einer Konfliktsituation, eines Ungleichgewichtes, das zur Harmonisierung herausfordert. Im Verhältnis des Individuums zur räumlichen und gesellschaftlichen Umwelt sind selbstverständlich solche Konfliktsituationen zur Genüge enthalten. Ob deren Lösung nun durch das Schaffen eines Gewichtsausgleiches (einer Gegen- Umwelt) oder durch eine Analyse der eigenen Stellung, der eigenen Wahrnehmung etc. angestrebt wird, liegt in der Persönlichkeitsstruktur des Einzelnen. Franz Fedier scheint mir zur zweiten der genannten Gruppen zu gehören, zu denen, die sich ihre Aufgaben selber stellen und die in ihrer Kunst versuchen, durch die bewusste Untersuchung ihrer Sensibilität besonders zugängliche Phänomene unsere Erscheinungswelt in den Griff zu bekommen. So ist es bezeichnend, dass Fedier zu den bestinformiertesten Künstlern gehört, dass er ein ausgezeichneter Diskussionspartner und damit wohl auch Lehrer ist, dass er sich vielen Einflüssen aussetzt. Diese Feststellung scheint mir wichtig, da sie meines Erachtens notwendig ist, um in des Künstlers bisherigem Werk die beiden Hauptphasen, die sich mit «peinture informelle» und «Strukturmalerei» nur sehr ungenau umschreiben lassen, als logische Entwicklungen und nicht als «Stilbrüche» zu sehen. Umso mehr, da diese Stufen mit wesentlichen Tendenzen der modernen internationalen Kunstgeschichte parallellaufen, so dass der Verdacht eines bloss modischen Reagierens aufkommen könnte, wo es sich - bei einem so offenen Künstler eine Selbstverständlichkeit - um eine Art Dialog mit dem zeitgeprägten Bewusstseinsstand handelt. Die ersten über das rein Handwerkliche hinausgehenden Impulse erhielt der aus dem Urnerland (Erstfeld) stammende Fedier in den Kriegsjahren durch die beiden damals wohl fortschrittlichsten Künstler der Innerschweiz: an der Luzerner Kunstgewerbeschule durch den surrealistischen Maler Max von Moos, der ihm vor allem Informationen über die aktuellen geistigen und künstlerischen Tendenzen geliefert haben mochte, und durch den in Flüelen lebenden Heinrich Danioth, dessen persönliche Synthese zwischen dem Spätkubismus und dem Expressionismus in den frühsten Bildern Fediers direkt nachwirkte. Aus diesem Einfluss erarbeitete sich Fedier - der inzwischen nach Bern disloziert war und als Zeichner in einem Reklamebüro einem Broterwerb nachging - den für viele Künstler seiner Generation typischen Ausgangsstil: in den zwischen 1947 und 1949 entstandenen Bildern setzt sich der Künstler mit den strengen Flächenaufteilungen und -schichtungen des synthetischen Kubismus (etwa in der Art Juan Gris) auseinander. Die Öffnung der Grenzen nach dem zweiten Weltkrieg benützte der Künstler zu vielen Auslandreisen und vor allem zur Kontaktnahme mit dem damaligen Zentrum der internationalen Kunst, mit Paris, wo er sich anfangs sporadisch, zwischen 1956 und 1962 regelmässig aufhielt, und wo er sich, unter anderm im Atelier des Malers Stanley William Hayter, mit der Tendenz der «abstraction lyrique» oder der «peinture informelle» bekanntmachte. Franz Fedier wurde zu einem der ersten Vertreter dieser Richtung in der Schweiz. Die Freundschaft mit dem vielleicht bedeutendsten Förderer der verschiedenen Tendenzen der Spontanmalerei (Tachismus), mit Arnold Rüdlinger, damals Leiter der Kunsthalle Bern, bedeutete selbstverständlich eine wichtige Bestätigung. Für Fedier resultierte aus dieser Begegnung eine Befreiung im eigentlichen Sinne; Befreiung auch von seiner spezifischen Begabung für graphische Raumaufteilung, die ihn ins Virtuose hätte führen können. Er entwickelte sehr schnell eine seinem Wesen entsprechende elegante und präzise Spontanschrift, die das berauschende Erlebnis eines unbegrenzten («ungerahmten») Raumes ausdrückt und den Verzicht auf die Auffassung vom Bild als einem einmaligen fixierten ästhetischen Zustand ankündet. In der Lust am Wechselspiel zwischen der willkürlichen Notation formaler Rhythmen und den unwillkürlich entstehenden Farbflüssen und -ausbreitungen verrät sich eines der zentralsten Probleme in Fediers künftigem Schaffen: Ein Gleichgewicht zu suchen zwischen Beherrschtem und Spontanem, zwischen Determiniertem und Zufälligem, zwischen Erforschen (Wissen) und Erleben (Empfinden). Auszug aus einem Text von Peter F. Althaus. |
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