Bevor der Jugendstil um 1900 die Linie als reine, vom Gegenständlichen unabhängige Bewegungsspur entdeckte, hatte das Lineare schon eine grosse, internationale Karriere hinter sich, nämlich als Rankenornament der Arabeske und als Kalligrafie (Abb.). Paul Klee greift in seinen »figurativen Kalligrafien« auf diese Tradition der Verschmelzung von Schrift und Bild zurück (Abb.). In zahlreichen kunsthandwerklichen Objekten und Kunstwerken zeigt das Kapitel, wie die Arabeske am Anfang des 19. Jahrhunderts sich als »blinder Passagier« in die neuartige Konzeption des romantischen Bildes (Runge) einnistet und beginnt, über den Symbolismus (Gauguin) und den Jugendstil (van de Velde, J. Hoffmann) die Strukturgeschichte der abstrakt werdenden Kunst zu beeinflussen. Ist vielleicht die abstrakte Malerei des 20. Jahrhunderts nichts anderes als die Fortsetzung der Ornamentgeschichte?

